Turnschuhsupport

Ich finde am Morgen unter anderem folgende Mail: „Hallo, ich wollte die Software XY installieren, aber der bleibt bei 45% immer stehen, könnt Ihr helfen?“

Die Software muss leider lokal installiert werden und ist auch zur Selbstinstallation vorgesehen. Klar kann ich helfen und ich will auch und antworte per Mail: „Die Software besteht aus drei CDs, Du musst dann die Nächste CD einlegen – so wie er es sagt - und auf Weiter klicken.“

Ein paar Stunden später bekomme ich einen Anruf von dem User und muss den Vorgang erneut haarklein schildern. Skepsis schlägt mir entgegen, obwohl ich glaubhaft versichern kann, dass es so abläuft, wie ich es beschreibe. Nach dem Telefonat graut es mir ein wenig, weil es genau den User getroffen hat, der am weitesten von mir weg sitzt. Ich will da nicht hinlaufen müssen – und schon gar nicht sinnloser weise.

Es folgen in halbstündlichem Abstand zwei weitere Telefonate ohne den Vorgang abschließen zu können.

Ich will da nicht hinlaufen.

Es kommt wie es kommen muss. Ich breche den Telefonsupport ab und mach mich auf den Weg. Beim User angekommen muss ich ein Windows begutachten, dessen Taskleiste auf fünf Zeile vergrößert wurde die alle überbordet sind mit geöffneter Software und Dateien. Dreißig und mehr Objekt hocken da auf der Leiste. Ich verlange von dem Nutzer, dass er alle schließt – „Muss das sein?“„Ja, muss!“ denn ich ahne wie das endet. Nach circa zehn Minuten – denn man muss ja immer genau überlegen, ob man nun speichern will oder lieber nicht und wohin – sind alle Anwendungen geschlossen, bis auf das offene Problem-Installationsfenster und darüber ein kleineres Fenster mit dem Hinweis: „Bitte legen Sie die zweite CD ein und klicken Sie auf Weiter.“

Ein weiters mal bin ich der Meinung, dass Multitasking eine Lösung ist, für ein Problem, das es nicht gibt. Es nutzt nichts, wenn es der Rechner beherrscht, aber der Anwender nicht.

23.11.06 15:48, kommentieren

Überrissen?

Kommt ein Vorgesetzter um die Ecke, im Plauderton wünscht er sich mal wieder einen neuen USB-Stick (Anmerkung: Er persönlich führt die Verbummelungs-Charts weit abgeschlagen auf Platz eins an).

O-Ton: „… so einen möglichst kleinen, schlanken und man soll ihn am Schlüsselbund festmachen könne, damit man ihn nicht verliert…“

Gegenfrage von mir: „OK, wie viele sollen wir Dir Besorgen?“

Ich ernte einen bösen Blick - „Na so schlimm ist es ja nun auch nicht“. Mehr als zehn sind es bestimmt, aber nun sag’ ich nichts mehr.

Mein Kollege mischt sich ein: „Wir habe da gestern oder vorgestern einen gefunden. Der wurde beim Pförtner unten abgegeben. Wir habe den da liegen lassen, falls der von einem Gast war und der nachfragt. Hatte so etwa die Farbe…“ - er zeig auf was blaues – „…und war etwa nur so groß.“ – er zeigt etwa 1,5 cm mit Daumen und Zeigefinger an.

Unser Vorgesetzter verneint, das hätte nichts mit ihm zu tun und geht.

Wir werden misstrauisch. Mein Kolleg holt sich den USB-Stick vom Pförtner und guckt mal was drauf ist. Sieh an, nur vier Dateien, alle von unserem Chartführer erstellt, als letzte bearbeiten und auf seine Arbeitsthemen bezogen. Ein Schelm wer böses dabei denkt. Mein Kollege grinst sich eins und wackelt zu dem Vorgesetzen hin. Noch breiter grinsend kehrt er zu unserem Büro zurück. „Es war seiner, einziges Statement: Oh, ja, das ist meiner, dass habe ich gar nicht Überrissen.“

Und die Moral von der Geschicht',
einen neuen kriegt er nicht.

22.11.06 10:08, kommentieren

Intro

Ich bin immer davon ausgegangen: Wenn ich von einem Menschen was möchte, dann bin ich nett zu ihm. Manchmal frage ich mich ob ich in der einzigen Familie dieser Welt aufgewachsen bin, in der das üblich ist. In meinem beruflichen Umfeld bekomme ich von dieser Regel nichts mit. Als IT-Supporter bin ich für 80+ Arbeitsplätze und noch einen Haufen Server zuständig. Die meiste Arbeit machen allerdings die Arbeitsplätze ... oder vielmehr die Nutzer dieser Arbeitsplätze. Die Rechner laufen meist problemlos, die Fehlerquelle sitzt dann oft ca. 40 cm vor dem Bildschirm. Mein Beruf macht mir Spaß und ich bin gut in dem was ich mache. Mich erschreckt nur immer, wenn meine Kollegen (also die, die ich supporte) mich eher wie einen Dienstboten, als wie einen Dienstleister behandeln. Es gibt schon viele Arschlöcher (den Begriff werde ich vermutlich hier öfter gebrauchen) und bei uns in der Firma ist die Arschlochdichte besonders hoch. Heute war's mal ruhig, sind auch nicht viele Leute da... naja, wenn die Katzen aus dem Haus sind (die Geschäftsführer) tanzen die Mäuse auf dem Tisch... oder kommen erst gar nicht.

Na dann... wenn das nächste Arschloch klopft, erfahrt Ihr es.

16.11.06 18:28, kommentieren